Nikolaus-von-Weis-Gymnasium Speyer - Projekt für Schulen ans Netz e. V.
Thema des Projekts: Aufbau der Partnerschaft mit der Ginsburg High School, Yavne, Israel; Vorbereitung des Austauschs
- ein Bericht aus dem Jahr 2000 -
Gliederung
- Die Partnerschaft zwischen unseren beiden Schulen
- Die Planung unseres Projektes für Schulen ans Netz e. V.
- Die Ausstattung unserer Schule und der Partnerschule, die AG Internet
- Die Kommunikation mit den israelischen Schülerinnen und Schülern
- Allgemeines über die Kommunikation per E-Mail
- Eindrücke und Ergebnisse
- Der Einsatz von Suchmaschinen, direktes Aufrufen von Adressen
- Die Zeit nach dem Besuch unserer Gruppe in Israel
- Rückblick
(1) Die Partnerschaft zwischen unseren beiden Schulen
Seit Februar 1998 besteht zwischen Speyer und Yavne in Israel eine Städtepartnerschaft. Das Nikolaus-von-Weis-Gymnasium vertiefte noch im selben Jahr die Beziehungen durch einen Schüleraustausch mit der Ginsburg High School in Yavne. An dem Austausch ist auf Speyerer Seite auch das Gymnasium am Kaiserdom beteiligt.
Eine Gruppe von israelischen Schülerinnen und Schülern kam im Juli 1998 für zwei Wochen nach Speyer; der Gegenbesuch in Israel fand im April 1999 unter Leitung der Lehrerin Celia Sütterlin statt.
An diesem Austausch nahmen auf Speyerer Seite 22 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 11 teil, es waren deutlich mehr Mädchen als Jungen beteiligt. Die meisten der israelischen Schülerinnen und Schüler besuchten die 9. Klasse.
Um einen kürzeren zeitlichen Abstand zwischen Besuch und Gegenbesuch zu ermöglichen findet der nächste Austausch erst im Sommer und Herbst 2000 statt.
(2) Die Planung unseres Projektes für Schulen ans Netz e. V.
Die Planungsphase war gekennzeichnet durch zwei große Unbekannte: Unsere Schule hatte noch keinen Zugang zum Netz und die Partnerschaft mit Israel war erst in der Vorbereitung begriffen. Umso mehr bot dies die Gelegenheit zwei Vorhaben bereits zu diesem Zeitpunkt mit einem bestimmten Akzent zu versehen: Der Internet-Zugang sollte nicht einfach nur „vorhanden sein“, vielmehr hatten wir eine sinnvolle Aufgabe vor Augen; der Partnerschaft mit Israel sollte ein weiteres „Standbein“ hinzugefügt werden.
Das Land Israel bietet sowohl wegen seiner kulturellen und religiösen Vielfalt als auch durch seine besonderen Beziehungen zu Deutschland ein reiches Spektrum an Themen, die bearbeitet werden können. Die Sprachkompetenz in Englisch, der Verkehrssprache im Internet, spielt hierbei eine erhebliche Rolle. Schließlich bedeutet Austausch und Kommunikation mit Israel für uns immer auch einen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen im Sinne einer versöhnenden Völkerverständigung.
Konkret haben wir uns im Rahmen einer Gruppe interessierter Lehrkräfte vorgenommen, das Internet als Möglichkeit zur Kommunikation per E-Mail und als Informationsquelle zu nutzen. Den Schwerpunkt sollte der Bereich E-Mail bilden. Hier ging es uns vor allem darum, dass die Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig bekannt machen, dass sie Fragen stellen und vielleicht auch Antworten auf Fragen der Israelis geben können. Neben den am Austausch direkt Beteiligten, die sich auf diese Weise auf den Besuch in Israel vorbereiten konnten, riefen wir auch andere Schülerinnen und Schüler zur Mitarbeit in unserem Projekt auf, insbesondere diejenigen, die nicht am Austausch teilnehmen konnten oder die für einen Austausch in einem späteren Jahrgang in Frage kommen.
Da unsere Schülerinnen und Schüler das Internet auch als Informationsquelle sollten nutzen lernen, hatte die AG Internet zu entscheiden, ob im jeweils vorliegenden Fall eher ein E-Mail, eine Suchmaschine oder das direkte Aufrufen einer Internet-Seite am sinnvollsten sei.
Als zusätzliche Aktivität haben wir uns die Entwicklung und Durchführung eines „Stadtspiels“ vorgestellt. Auf einer „virtuellen Landkarte“ sollte die Möglichkeit gegeben werden die jeweilige Partnerstadt spielerisch Stück für Stück kennen zu lernen.
(3) Die Ausstattung unserer Schule und der Partnerschule, die AG Internet
Am Nikolaus-von-Weis-Gymnasium wurde im Juli 1998 im Auftrag des Schulträgers eine ISDN-Leitung gelegt. In demselben Monat erhielten wir einen positiven Förderbescheid von Schulen ans Netz e. V (siehe unten). Ein Computer wurde im Oktober 1998 angeschafft. Unabhängig hiervon besitzt unsere Schule einen Informatik-Raum mit 10 Rechnern; an ein zweites Gerät mit Internet-Zugang ist derzeit nicht gedacht.
Zur Ausstattung des Internet-Computers seien die wichtigsten Angaben genannt: Betriebssystem Windows 95; Arbeitsspeicher 32 MB; Festplatte 4,0 GB; Pentium-Pro-Prozessor mit Taktfrequenz 333 MHz. Peripheriegeräte: 17-Zoll-Monitor mit Sound-System , Farbtintenstrahldrucker.
Die Kosten für Computer und Monitor konnten durch einen Zuschuss des Landesmedienzentrums genau gedeckt werden; die Finanzierung des Druckers übernahm der Schulelternbeirat.
Im Rahmen von „Schulen ans Netz“ wurden uns Software und ISDN-Karte sowie eine Gebührengutschrift und ein „Freiaccount“ zur Verfügung gestellt; wir konnten über den Server der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer Zugang zum Netz erhalten. Auf unsere E-Mail-Adresse können Schüler und Lehrer gleichermaßen zugreifen.
An dieser Stelle sei allen, die an der Finanzierung mitgewirkt haben, herzlich gedankt!
In Verantwortung gegenüber unseren Schülerinnen und Schülern erarbeiteten wir eine Benutzerordnung für den Internet-Arbeitsplatz und stellten den Computer in der Oberstufenbibliothek auf, wo durch den regen Publikumsverkehr ein Missbrauch eher unwahrscheinlich ist. Kurz vor Weihnachten 1998 gaben wir den Computer für die Benutzung frei. Dieser Zeitpunkt markiert auch den Beginn unserer E-Mail-Kontakte mit den israelischen Jugendlichen. Eine Einführung interessierter Lehrkräfte in das Internet fällt ebenfalls in diese Zeit.
Die Ginsburg High School in Yavne besitzt (noch) keinen Internet-Anschluss. So waren wir darauf angewiesen, unsere elektronische Post einzelnen Schülern zu senden. Leider entstand auf israelischer Seite nicht das Gefühl, „wir“ haben Post bekommen und „wir“ beantworten sie. Vielmehr sahen sich die jeweils angeschriebenen Schüler bemüßigt das eingegangene E-Mail selbst zu beantworten. Dennoch konnten wir in der israelischen Schülerschaft etliche Adressen „auftreiben“, und zwar nicht nur aus dem engeren Kreis der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler.
Nach den Sommerferien 1998 wurde eine „AG Internet“ unter Leitung des Lehrers Thomas Kern ins Leben gerufen, die unser geplantes Projekt umzusetzen hatte. Die Aufgabenteilung war klar abgesteckt: Die AG war für die technischen Anforderungen zuständig, während diejenigen, die ein E-Mail senden oder eine Information erhalten wollten, praktisch unsere „Zulieferer“ waren.
Im Schuljahr 1998/1999 bestand die AG aus sieben Schülern der Klassenstufen 10 bis 13, darunter zwei Mädchen, die am Austausch teilnahmen. Insbesondere eine dieser zwei Schülerinnen leistete für die AG wertvolle Arbeit, weil sie einerseits im Schreiben von E-Mails geübt war und andererseits den inhaltlichen Hintergrund gut kannte. Wir trafen uns einmal pro Woche (45 Minuten), um gemeinsam zu arbeiten und die anstehenden Aufgaben zu verteilen.
Im Schuljahr 1999/2000, als die Erstellung der Homepage in den Vordergrund rückte, meldeten sich vier Schüler aus den Klassenstufen 7 und 8; die Oberstufe war in der AG mit sieben Teilnehmern vertreten.
In beiden Schuljahren bestand für die Mehrheit der Teilnehmenden die Motivation darin, entweder ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit dem Internet einzusetzen oder diesen Umgang zu erlernen. Daneben waren mehrere Schülerinnen und Schüler der Oberstufe motiviert durch den Kontakt zum Partnerland Israel, durch die inhaltliche Recherche oder durch die Aufgabe, die Homepage zu gestalten.
(4) Die Kommunikation mit den israelischen Schülerinnen und Schülern
Wir haben die Schülerinnen und Schüler, die am Austausch teilnahmen oder sich anderweitig interessiert zeigten, gebeten Fragen aufzuschreiben, die sie vor dem Besuch in Israel beschäftigten.
Im Allgemeinen wurden uns handgeschriebene Zettel in deutscher Sprache eingereicht, die wir zunächst ins Englische übersetzen mussten. Freilich bildeten wir so etwas wie eine „Redaktion“, die vor dem Absenden nach Israel Verantwortung für den Inhalt zu übernehmen hatte. Wenn ein elektronischer Brief aus Israel zurückgekommen war, besprachen wir ihn zunächst in der AG, dann gaben wir ihn an den „Urheber“ weiter, ggf. mit erläuternden Bemerkungen. Schließlich bot sich kurz vor der Fahrt nach Israel die Gelegenheit, der Austauschgruppe über unsere Ergebnisse zu berichten.
Ein Hindernis bei unseren Aktivitäten bildete die gute technische Ausstattung einiger am Austausch beteiligter Familien: Mehrere Schüler/innen ließen uns lange warten mit dem Hinweis, ihre Eltern hätten zu Hause Internet und E-Mail. Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten, bis sie erkannten, dass sie bei der Gestaltung des neuen Anschlusses an unserer Schule Akzente setzen konnten! Andererseits waren etliche Mitglieder der AG motiviert am heimischen Computer für unser Projekt zu arbeiten.
Allgemeines über die Kommunikation per E-Mail
Unsere nach außen sichtbaren Aktivitäten begannen im Januar 1999 mit einem E-Mail an einen israelischen Austauschschüler, den wir zunächst fragten, ob wir ihm Fragen per E-Mail senden können und er die Fragen an die anderen Austauschteilnehmer weiterleiten könne.
Ein paar Tage später schauten wir in unseren „Briefkasten“ und fanden eine Nachricht: „Hello from ISRAEL!!!“ Es hatte geklappt, wir hatten eine Antwort erhalten! Der Schüler ließ uns seine Vorfreude auf den Besuch verspüren und schrieb, dass unsere Gruppe beim Besuch in Israel den Unabhängigkeitstag erleben würde. Unsere Frage nach dem Weiterleiten an die anderen Austauschteilnehmer blieb allerdings unbeantwortet; dies haben wir im weiteren Verlauf der Zeit auch nicht mehr ändern können.
Kurz danach, am Tag der Halbjahreszeugnisse, trat eine Band aus Yavne in unserer Schule auf, aus der wir einen Partner für unsere E-Mails gewannen.
In der Folgezeit ergaben sich feste „Zuständigkeiten“ von ein bis zwei AG-Mitgliedern für je einen israelischen „Brieffreund“. Dabei engagierten sich vor allem die beiden am Austausch beteiligten Schülerinnen. Die Fragen, die wir zu senden hatten, wurden im Allgemeinen eingekleidet in freundschaftliche persönliche Mitteilungen oder humorvolle Bemerkungen, was doch eine gute Voraussetzung für eine Schulpartnerschaft ist!
Wir gewannen allmählich Erfahrung im Umgang mit E-Mail. Dies zeigte sich nicht nur darin, dass bald die „Handgriffe saßen“, es entwickelte sich auch ein Bewusstsein dafür, dass ein E-Mail „offline“ geschrieben und dann erst „online“ verschickt wird um Kosten zu sparen (entsprechend beim Empfang von E-Mails).
Trotz mehrerer Versuche ist uns kein „Chat“ mit der israelischen Seite gelungen. Insbesondere für ein Wochenende, an dem sich unsere Austauschgruppe im Schulgebäude traf, hatten wir die israelischen Jugendlichen zu einem virtuellen Treffen eingeladen.
Eindrücke und Ergebnisse
Das Spektrum der Themen, die in unserem Projekt behandelt wurden, reichte von einfachen Fragen der Reisevorbereitung bis hin zu Beiträgen, die uns das Volk Israel besser verstehen ließen.
So wurde zum Beispiel schlicht gefragt, welches Wetter im April zu erwarten sei. Einer unserer Schüler berichtete umgekehrt von dem Hochwasser, das Speyer im März heimsuchte.
Teilweise hatten unsere Schülerinnen und Schüler ihren Auftrag dahingehend verstanden, dass sie sich lediglich nach dem Wohlergehen der Partnerfamilie erkundigten. Auch wenn dies nicht unserer Intention entsprach, so ist man sich immerhin ein wenig näher gekommen.
Von größerer Reichweite ist da schon die Frage nach Fastenzeiten: Es gibt drei Fastenzeiten; der israelische Schüler nennt Yom Kippur, stellt die Verhaltensweisen an Fasttagen dar, kommentiert aber gleichzeitig, dass er vom Fasten nicht viel hält.
Ein Thema, das in unseren Fragen immer wieder auftrat, war der Schulalltag:
So erfuhren wir, dass keine Schüleruniform getragen wird.
In Israel werden die Fächer Hebräisch, Englisch, Mathematik, Geschichte und Religion im Pflichtbereich unterrichtet; dazu kommen Wahlpflichtfächer wie Physik, Chemie, Biologie, Elektronik oder Kunst.
Umgekehrt fragte ein israelischer Schüler nach dem Alter unserer Teilnehmer, was wir ihm gerne beantworteten.
Eng mit dem Bereich Schule ist die Freizeitgestaltung verbunden: Hier erfuhren wir, dass die israelischen Jugendlichen ganz ähnlichen Aktivitäten nachgehen wie die deutschen.
Auch heikle Themen wie Israels Beziehung zu Deutschland oder den Konflikt mit den arabischen Nachbarländern konnten wir ansprechen:
Nicht nur den Unabhängigkeitstag, sondern auch den Holocaust-Gedenktag würde unsere Gruppe in Israel erleben (siehe hierzu auch den Abschnitt über Suchmaschinen). Wir stellten eine vertiefende Frage, erhielten jedoch (nach sechs Wochen!) nur eine kurze, allgemein gehaltene Antwort auf unser E-Mail.
Dem Alter der israelischen Partner entsprechend erfuhren wir zur Behandlung des Zweiten Weltkriegs in der Schule, dass dieses Thema bis dahin nur kurz angesprochen worden war und im kommenden Schuljahr vertieft werden sollte.
Zum politischen Engagement Jugendlicher erhielten wir die Auskunft, dass die Richtung vorherrscht, die dort als „the left side of the political map“ bekannt ist. Die hierbei genannte Formel „Land für Frieden“ bot uns Gelegenheit über die aus unseren Zeitungen bekannte Entwicklung der letzten Jahre zu sprechen.
Gefragt nach gefährlichen Situationen antwortete ein Schüler, dass man immer ängstlich sei, wenn Unruhen ausbrechen, dass sich aber gleichzeitig ein Gespür dafür ausbilde, in solchen Situationen vorsichtig zu sein.
Das besser werdende Verhältnis zu den arabischen Nachbarländern zeigt sich in folgender Passage: „Habt ihr vom Tod des Königs von Jordanien gehört? Jordanien ist unser östliches Nachbarland und wir waren Feinde bis 1994, als wir Frieden mit den Jordaniern schlossen.“ Vor wenigen Jahren wäre dies noch undenkbar gewesen!
Der Einsatz von Suchmaschinen, direktes Aufrufen von Adressen
Uns erreichten einige Anfragen, die wir mit Hilfe von Suchmaschinen beantworten wollten. Wir konnten lernen, dass man zunächst eine geeignete Suchmaschine zu wählen hat und dass man dann den Suchbegriff geschickt zu formulieren hat.
Die Frage, welche Währung in Israel gelte und wie sie in DM umgerechnet werde, wollten wir nicht nach Israel leiten, sondern selbst mit Hilfe des Internet beantworten. Es besteht ein Unterschied zwischen herkömmlichen Suchmaschinen und „Katalogen“ wie Yahoo. Dort fanden wir in der Rubrik „Finanzen“ die aktuellen Umrechnungskurse. Ein israelischer Schekel hatte am 26.02.1999 einen Gegenwert von knapp 0,44 DM. Selbstverständlich fehlt dort nicht die Umrechnung zwischen Schekel und Euro.
Auch auf einige Beiträge der Israelis reagierten wir mit einer vertiefenden Suche im Internet. So hatten wir gleich im ersten E-Mail von zwei Feiertagen gelesen: Holocaust-Gedenktag und israelischer Unabhängigkeitstag. Wir fanden unter der Rubrik „Materialien zur Religionswissenschaft“ eine Auflistung jüdischer Feste und Fasttage, jeweils mit einer kurzen Beschreibung. Beeindruckend fanden wir, dass am Unabhängigkeitstag anders als in vielen anderen Staaten nicht die Befreiung von einer Kolonialmacht gefeiert wird; vielmehr wissen die Juden ihr „Recht auf Zuflucht in „ihrem“ Staat“ zu schätzen, gerade nach der Verfolgung im Dritten Reich und der kleinlichen Asylpolitik vieler Staaten wie der USA.
Die Homepage der Stadt Yavne wollten wir als Quelle für ergänzende Informationen über unsere Partnerstadt nutzen, doch mussten wir feststellen, dass die Seite nicht in einer zumutbaren Zeit geladen werden konnte (ein Hinweis für die Gestaltung unserer eigenen Homepage!).
(5) Die Zeit nach dem Besuch unserer Gruppe in Israel
Nachdem unsere Gruppe aus Israel zurückgekehrt war, liefen die Kontakte per E-Mail auf einer anderen Ebene weiter: Das vorbereitende Fragen trat naturgemäß in den Hintergrund; prägend waren jetzt eher die gemeinsamen Erinnerungen sowie die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen. Erneut wurde von beiden Seiten versucht ein Treffen per „Chat“ zu arrangieren, jedoch wieder erfolglos. Höhepunkt war ein E-Mail, in dem vier Jungen schrieben, dass sie im Sommer nach Deutschland fahren würden!
Mit Beginn des Schuljahres 1999/2000 nahm der Auftrag, die Homepage zu gestalten, konkrete Formen an: Die Hauptseite musste kreiert werden (wobei wir immer wieder konkrete Vorschläge vom künstlerischen Standpunkt diskutieren mussten), die Seiten einschließlich der Adressen und Links mussten verwaltet werden und vor allem musste jede einzelne Seite mit Inhalt erfüllt werden (für den letzten Punkt haben wir freilich die jeweils kompetenten Schüler/innen oder Lehrer/innen gefragt). Schließlich haben wir es auch als unsere Aufgabe angesehen das „Lesezeichen“ bzw. die „Favoriten“ den Bedürfnissen von Gymnasiasten anzupassen.
Inhaltlich griffen wir unseren eigentlichen Auftrag, nämlich das fragende Erkunden, wieder auf. Wir hatten im Mai Fragen einer Schülerin nach Israel gesandt, jedoch keine Antwort erhalten. Da diese Schülerin sich aufgrund ihrer Hautfarbe auch für die Akzeptanz von Schülern fremder Nationalität oder Religion interessierte, wollten wir ihre Fragen keinesfalls verloren geben. Unsere Austauschgruppe hatte „im Gepäck“ aus Israel einige weitere E-Mail-Adressen mitgebracht und so haben wir gleich lautende Briefe mit den besagten Fragen an mehrere Jugendliche in Israel gesandt.
Zu unserer Verwunderung mussten wir feststellen, dass in allen Fällen das E-Mail zurück kam mit dem Vermerk, die Adresse sei nicht gefunden worden. Wir konnten dies nicht glauben und starteten die Aktion noch einmal - mit demselben Ergebnis!
Wir müssen also warten, bis der nächste Austausch für Sommer/Herbst 2000 vorbereitet wird (es steht aber noch nicht fest, wer hieran teilnehmen wird).
Damit sind unsere Aktivitäten noch nicht am Ende: Unsere Partnerschule soll mit einem eigenen Internet-Zugang ausgestattet werden, und so kam die Idee auf, Informationen über unsere Stadt und unsere Schule ins Netz zu stellen. Die Zukunft wird zeigen, wie sich dieses Vorhaben entwickeln wird.
(6) Rückblick
Nach jedem längeren Projekt sollte man nicht nur auf den Verlauf zurückblicken, sondern auch die ursprüngliche Planung ins Gedächtnis rufen. Was ist geblieben, was konnte nicht umgesetzt werden, was ist hinzugekommen?
Im Großen und Ganzen deckt sich unsere Arbeit mit dem vorher definierten Rahmen. Sicher konnten einige Ziele nicht so wie geplant umgesetzt werden: Dadurch dass unsere Partnerschule keinen Internetanschluss besitzt, hatte unser geplantes „Stadtspiel“ praktisch keine Aussicht auf Erfolg, und wir haben diese Aktivität gar nicht weiter verfolgt.
Auch unser zentrales Anliegen, das Fragen und Antworten, wäre anders verlaufen, wenn die Partnerschule einen Zugang zum Netz gehabt hätte: Auf beiden Seiten wäre so etwas wie eine Sammlung von E-Mails entstanden, die alle beteiligten Schülerinnen und Schüler hätten lesen - und individuell beantworten - können. Dies hätte gewiss das Spektrum der Antworten auf unsere Fragen bereichert und darüber hinaus eine größere Zahl an zusätzlichen Ideen gebracht. Unsere Aufgabe war es aber, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten die Planung umzusetzen. Wir konnten uns recht gut darauf einstellen, dass wir einzelne Partner hatten, mit denen wir Kontakt hielten, und wir sind dankbar für die inhaltlichen Ergebnisse, die uns dieser Briefwechsel gebracht hat.
In unserer AG war die Motivation spürbar gestiegen, als die ersten E-Mails gesendet wurden. Die Vorbereitung der Arbeit am Netz, bei der etliche Wochen ohne inhaltliches Ergebnis vergingen, war einigen Teilnehmern recht lang geworden. Was den Kontakt zwischen unserer AG und der Austauschgruppe betrifft, so gab es auf beiden Seiten Schüler/innen, die weniger Interesse für die Arbeit der jeweils anderen Gruppe zeigten. Für die AG Internet kann man sagen, dass bei allen Teilnehmern die Bereitschaft vorhanden war, sich - in ihrer Freizeit - anhand des Mediums Internet mit der vorgegebenen Aufgabenstellung, dem Austausch mit Israel, auseinanderzusetzen.
Freilich gingen unsere Schüler auch mit der Erwartung in die AG, dass sie etwas lernen konnten. Doch hier ist zu unterscheiden zwischen einem Kurs „Internet“ für Anfänger oder für Fortgeschrittene und einem Projekt, bei dem die regelmäßige Anwendung bestimmter Techniken im Vordergrund steht. Wenn man dies berücksichtigt, so können unsere Schüler jedenfalls mit ihrem Lernerfolg zufrieden sein. Dies gilt auch für die Erstellung der Homepage, die im zweiten Jahr den Schwerpunkt unserer Arbeit bildete. Während unseres ersten Jahres hatten wir diese Aufgabe eher vor uns her geschoben; als wir uns aber selbst unter Erfolgszwang gesetzt hatten, sind wir mit vielen Techniken vertraut geworden.
In diesem Sinne hoffen wir auf ein Projekt zurückblicken zu können, das sowohl unserer Schule als auch unserer Partnerschule genützt hat.
im Februar 2000
Thomas Kern




