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OUHH YEAHHH – 5, 7 oder 10-Stunden-Fahrt ins Ungewisse

– Ein Bericht über die Studienfahrt an die Ardèche vom 16.05. – 22.05.2010 –


Schon einmal vorab: Es waren schließlich zwölfeinhalb Stunden Fahrt bis zu unserem Ziel. Doch da sind wir noch lange nicht angekommen.

Mit etwas Verspätung, ich schätze so kurz vor 20:00, brachen 33 abenteuerlustige Schüler aus den Jahrgangsstufen 11 und 12 plus zwei Pädagogen namens Herr Amann und Frau Jaschek-Schneck auf in den Süden Frankreichs. Unsere Vorbereitung auf die Fahrt glich ungefähr der von Axel Schulz vor seinem Comeback-Kampf gegen Brian Minto, doch das machte niemandem etwas aus. Schließlich war Herr Amann schon viele Male an der Ardèche, hat sogar früher einmal dort als Guide gearbeitet.

Während der Busfahrt liefen heiße Wetten, wie lange die Fahrt dauern würde – von fünf bis 13 Stunden war alles dabei. Im Saarland stiegen auch unsere Betreuer, oder „Guides“, wie sie offiziell heißen, zu. Christoph, Paul, Jonas und eine junge Frau stellten sich vor und mussten erst einmal eine harte Musterung von 33 Schülern über sich ergehen lassen. Außerdem wechselte jetzt schon der Busfahrer, aus welchem Grund auch immer, was sich jedoch im Laufe der Woche als echter Glücksfall herausstellen sollte.

Wer bis jetzt dachte, hinter dem Saarland kommt nichts mehr, wurde eines besseren belehrt als die Grenze zu Frankreich überschritten wurde.  Der weitere Verlauf der Busfahrt wurde nur von den Pausen an Autohöfen und durch alte Gassenhauer beeinflusst.

Die Uhr im Bus zeigte ungefähr neun an, als wir an unserem Campingplatz in Casteljau anrollten. Die einen hatten mehr geschlafen, die anderen weniger, doch so richtig fit war eigentlich niemand. Der Schreck nach der anstrengenden Fahrt war groß, als verkündet wurde, dass es nach dem Frühstück sofort zum Klettern gehe. Nur ein paar vereinzelte Kletterfreunde jubelten, der Rest wollte jetzt nur noch frühstücken. Doch vorher wurden noch die Caravans, Mobilehomes und Zeltplätze zugewiesen.

Das Frühstück bestand aus Kaffee, Marmelade und „Möchtegern“-Nutella. Und natürlich aus dem, ohne Scherz, besten Baguette das ich je gegessen hatte. Ja, das Brot war eines der kulinarischen Highlights der Woche.

Als es zum Klettern ging, wurden wir in eine Anfänger- und eine Fortgeschrittenengruppe unterteilt, wobei ich mich bei den Anfängern versuchte und somit nicht von der anderen Gruppe berichten kann. Als erstes gab es eine Einführung in die verschiedenen Sicherungsknoten. Als endlich auch ich begriff, wie man den „Achter-Knoten“ macht, ging das Klettern los, und einer nach dem anderen, immer durch einen Schüler gesichert, versuchte sich an mehreren Kletterrouten. Jeder hatte Spaß seine körperlichen Grenzen auszutesten. Als es dann später zum nächsten Tagespunkt ging, Abseilen aus 40 Metern Höhe, wurden die Freudenschreie schon leiser. Bei einer senkrechten, unebenen Felswand im 90-Grad-Winkel sich selbstständig abzuseilen braucht schon etwas Mut. Doch wenn man es geschafft hatte (und alle hatten es geschafft), war man unglaublich stolz auf sich. Eine tolle Erfahrung für jeden.

Auf dem Rückweg fanden schließlich alle zum Campingplatz und waren froh, als endlich um 19:00 die versprochenen Spaghetti mit Tomatensoße à la Horst (Horst war unser Koch) fertig waren, ein runder Abschluss des Tages, der wie jeden Abend in die Verlängerung ging, wenn sich mehrere Gruppen an ihren Zelten oder Caravans zu einem gemütlichen Beisammensein trafen. Ach ja, was noch zu erwähnen ist: Das Waschhaus mit seinen drei Duschen, vier Toiletten und drei separaten Waschbecken, was nach unserer Rechnung mindestens eineinhalb der zwei Sterne des Campingplatzes ausmachte. So kam es schon mal vor, dass man in der Dusche Besuch bekam wenn sich mal wieder eine Spinne abseilte oder eine riesige Schnake die eineinhalb Quadratmeter kreuzte.

Am nächsten Morgen gab es um neun Uhr Frühstück. Bei Marmelade, Marmelade und Marmelade wurden die Schlaferlebnisse der vergangenen Nacht ausgetauscht und diese sahen durchaus unterschiedlich aus…

Nach der Speisung wurde von unserem vierten Betreuer Nick verkündet, dass es zum Kanufahren geht, und ab diesem Zeitpunkt wurde jede seiner legendären Ansagen mit einem lauten „Ouhh Yeahh“ der Schüler quittiert, nachdem einer angefangen hatte.

Mit dem Bus ging es zum Einstiegsort flussaufwärts, und unser Busfahrer Robbie wurde zum wiederholten Male geprüft, als es durch die engen Gassen von Casteljau ging. Es ging übrigens immer alles gut, um im Vorfeld schon mal klar zustellen, dass Robbie der beste Busfahrer der Welt ist, dazu aber später mehr.

 

Für viele war es das erste Mal Kanufahren, das zeigte sich auch schon bald an der ersten Stromschnelle. In Zweier-Kanus paddelten wir den Fluss abwärts und vor jeder Stromschnelle sammelten wir uns, dass wir sie einzeln durchfahren konnten. Und, wie gesagt, direkt bei den ersten etwas kritischeren Stellen badeten einige unfreiwillig im eiskalten Wasser. Nach einiger Zeit klappte alles doch ganz gut, und unsere Pause machten wir an einem Punkt, an dem wir von Felsen verschiedener Höhen in den Fluss springen konnten. Klippenspringen muss der Albtraum jedes Betreuers sein. Wie gesagt, das Wasser war kälter als kalt und der Wind brachte das nächste Problem mit sich. Um die Felsen auf der anderen Seite zu erreichen musste man einmal quer durch den Fluss schwimmen, was sich durch die starke Strömung als sehr schwierig herausstellte. Zunächst einmal musste man mindestens fünfzig Meter weiter links los schwimmen um nicht zu riskieren, dass man von der Strömung abgetrieben wird und die Felsen verfehlt. Einige von uns waren, als sie auf der anderen Seite ankamen, so körperlich am Ende, dass sie nicht mehr springen konnten und mit dem Kanu zurückgefahren werden mussten. Ich versuchte auch mein Glück und schwamm rüber, und die Kälte des Wassers machte es mir unglaublich schwer überhaupt zu atmen. Wir sind zu viert herüber geschwommen und als wir ankamen konnte ich mich gerade noch an den Felsen fest krallen und musste gehalten werden, damit ich nicht abtrieb. Der hinter mir schwimmende hatte weniger Glück, ich streckte ihm noch meine Hand hin, doch die Entfernung war zu groß. Er wurde dann mit dem Kanu gerettet. Klingt alles wie in einem schlechten Thriller, ist aber so passiert.

Schließlich gab es die Möglichkeit von drei, fünf, acht und zehn Metern zu springen, jede Höhe wurde von mindestens zwei Leuten gesprungen. Klippenspringen ist wirklich ein tolles Erlebnis.

Der Rest der Kanutour verlief ruhig, pünktlich zum Abendessen waren wir wieder am Campingplatz. Grillen mit Horst ist wirklich ein Erlebnis, unser Horst ist einfach einmalig :)

Am nächsten Tag stand der Besuch eines französischen Wochenmarktes auf dem Programm. In Kleingruppen durchforsteten wir die Gassen und fuhren mit reichlich Beute wieder zurück. Bei der Ankunft wurden von den Gesetzeshütern Jaschek und Amann fast zwei Dutzend Bierflaschen und mehrere Flaschen Hochprozentiges eingesammelt. Kein Kommentar :)

Abends standen dann Teamspiele auf dem Programm, in zwanzig Minuten waren alle Aufgaben gemeistert und die Betreuer voll des Lobes an unsere Gemeinschaft.

Am vorletzten Tag stand Canyoning auf dem Programm. Ursprünglich sollte es eine Nass- und eine Trockengruppe geben, die Nassgruppe im Flussbett und die Trockengruppe am Rand des Flusses unterwegs sein. Doch da das Wasser so kalt war, gab es schließlich nur eine große Trockengruppe, nur derjenige der wollte durfte sich einen Neoprenanzug mitnehmen und an ausgesuchten Stellen ins Wasser springen oder auf den Felsen ins Wasser rutschen.


Jetzt kommt unser Busfahrer Robbie ins Spiel. Die Fahrt dorthin dauerte circa zweieinhalb Stunden, doch der kleinste Teil kostete am meisten Zeit. Es ging eine super enge Passstraße am Berg entlang hinauf und vor jeder unberechenbaren Kurve musste man Angst haben, denn wenn ein Auto entgegengekommen wäre, hätte es keine Ausweichmöglichkeit gegeben. Zwischen dem Abgrund und unserem Bus stellte sich nur eine etwa siebzig Zentimeter hohe Mauer. An jeder kritischen Stelle gab es Applaus für Robbie, den hatte er sich auch verdient. Man kann ihn nur in den höchsten Tönen loben, gerade weil er uns auch auf der Rückfahrt heil nach Hause brachte. Hut ab für Robbie. Ein Teufelskerl :)

Spät am Abend holten sich einige noch eine Pizza, der Hunger war weitestgehend gestillt. Horst hatte uns derweil ein Lagerfeuer am Essplatz gemacht, an dem sich die Sippschaft nach und nach einfand. Andere hatten den Grill angeworfen an diesem letzten richtigen Abend, im Supermarkt sich schnell noch ein paar Steaks gekauft. Die Nacht war eher kurz.

Trekking nach so einer Nacht ist nicht gut. Da kam es uns gerade recht, dass das Gebiet, in dem wir wandern sollten, abgesperrt war, und so verbrachten wir den letzten Tag bei fast dreißig Grad am Strand. Derjenige, der noch einmal klettern wollte konnte dies tun, die anderen holten sich den finalen Sonnenbrand. Das Wetter allgemein in der Woche war sehr gut. Von Tag zu Tag wurde es wärmer; bewölkt, geschweige denn geregnet hat es nie. Glück muss man halt auch mal haben.

Eine Woche voller Spaß und Abenteuer ging zu Ende, in der man sowohl neue Freundschaften geschlossen hatte als auch seine körperlichen Grenzen erfahren konnte. Uns allen hat es sehr viel Spaß gemacht und wir danken den Betreuern Nick, Christoph, Jonas, Paul und der netten Betreuerin, deren Namen mir immer noch nicht eingefallen ist. Außerdem danken wir unserem unwiderstehlichen Küchenchef Horst, unserem weltbesten Busfahrer Robbie und natürlich, nicht zu vergessen, unseren Lehrern Herr Amann und Frau Jaschek, die die ganze Fahrt organisiert haben und in der Woche nicht als Lehrer, sondern als Freunde mitgefahren waren.

Der Schlusssatz gehört Nick und Christoph, die uns bei der Rückfahrt um halb fünf Uhr morgens mit „Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein“ geweckt haben.

Vielen Dank für die geile Zeit!!!
 
Jan W.