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Eindrücke zum Ökumenischen Kirchentag 2010 in München

„Damit Ihr Hoffnung habt“ – unter diesem Motto startete der zweite Ökumenische Kirchentag am Mittwoch, den 12.05.2010 in München. Wie auch 130.000 andere Deutsche machten wir uns an diesem Tag auf den Weg in die bayrische Hauptstadt. Morgens trafen sich eine riesige Gruppe am Ludwigshafener Bahnhof und wir, Herr Moll und drei Schülerinnen vom „Niki“, machten uns mit einem Sonderzug nur für die pfälzischen Kirchentagbesucher auf den Weg.
Nach einer etwa vierstündigen Fahrt erreichten wir den Münchner Hauptbahnhof, von dort aus fuhren wir gleich zu unserem Quartier, die Arthur- Kutscher -Realschule, die in einem Randbezirk von München liegt. Unser Schlafplatz bestand aus einem Klassenzimmer, und wir hatten das Glück in einem recht leeren, ruhigen Zimmer übernachten zu können. Gleich nach dem Ankommen machten wir uns zusammen auf den Weg in die Innenstadt, den Eröffnungsgottesdienst haben wir schon verpasst, aber es erwartete uns der „Abend der Begegnung“ mit anschließendem Lichtermeer.
Schnell wurde mir bewusst, dass ein Kirchentag nicht ohne Musik existieren kann. Kaum waren wir ein paar Stunden in der Münchner Innenstadt unterwegs, konnten wir uns zwischen Gospel, Rock und dem traditionellen Schuhplattler entscheiden.

Es war außerdem möglich, auf einer Straße der Hektik und Schnelllebigkeit zu entfliehen und zur Ruhe zu kommen. Der Abendsegen in der Dämmerung war geprägt von einem Meer aus Kerzen und einer bewegenden Stille, die dem einen oder anderen Besucher sogar eine Träne entlockte.

Am nächsten Morgen wurden wir in der Pausenhalle der Schule mit einem Frühstück und zünftiger Blasmusik begrüßt und machten uns um 9 Uhr auf den Weg zum Messegelände. Dort fanden einige Bibelarbeiten und Podien statt, außerdem viele Stände, wo man sich über verschiedene Gemeinschaften informieren konnte.
Wir besuchten eine Bibelarbeit über das Thema Hoffnung und waren positiv überrascht.
Abends wollten wir dann das Wise-Guys-Konzert besuchen, gaben jedoch nach zwei langen Stunden im Regen das Warten auf und suchten uns ein gemütliches, beheiztes Restaurant.
Den Freitag verbrachten wir bis zum Nachmittag in der Stadt. Abends besuchten wir dann das Comedyprogramm „Bülent meets Bittlinger“. Bittlinger ist Pfarrer, Autor und Liedermacher und Bülent Ceylan ein Deutschtürke aus Mannheim. Beide gestalteten einen tollen, humorvollen und unvergesslichen Abend zum Thema Toleranz und Integration, die Halle hat gebebt!

Am Samstagmorgen machten wir uns mit einem mulmigen Gefühl auf den Weg nach Dachau, um uns das Konzentrationslager anzusehen.
Das Gefühl war sehr merkwürdig, durch das Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ zu gehen und auf dem riesigen Appellplatz zu stehen. Der Bunker, das Jourhaus und das Krematorium waren originalgetreu nachgebaut worden, und bei einer Ausstellung erhielt man einen Überblick zur Geschichte des Konzentrationslagers und zu den Menschen, die hier leben mussten und unter den Haftbedingungen schwer litten.
Besonders die Baracken erzeugten Gänsehaut, denn eine Baracke war ursprünglich für 200 Menschen gedacht und kurz vor der Befreiung durch die Amerikaner mussten dort bis zu 1700 Menschen hausen!

Anschließend teilten wir uns auf, und ich besuchte eine Diskussion auf Spanisch mit dem Thema „Der Regenwald ist unser Leben“. Es kamen Jhenny Muñoz, die erste indigene Bürgermeisterin vom Volk der Asháninka im peruansichen Regenwald, die eigentlich im Einklang mit der Natur leben möchte, was aber durch die dortige politische Regierung nicht möglich ist.
Für mich war es sehr interessant, da sie beispielsweise erzählt hat, dass die Menschen immer in der Hocke beerdigt werden, damit sie in der neuen Welt schneller aufstehen können.

Den letzten Abend ließen wir bei dem Musical „Streetlight“ im Olympiapark ausklingen, welches sich mit Gewalt unter Jugendlichen beschäftigte. Bei dem einmaligen Projekt spielten Schüler einer Münchner Hauptschule mit.
Eigentlich hat es uns gut gefallen, jedoch war das Stück auf Englisch und wir waren mehr als übermüdet.

Am nächsten Tag mussten wir auch schon sehr früh unsere Quartiere räumen, denn vor der Heimreise fand noch der Abschlussgottesdienst statt, an dem wir aber aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnten. Gegen Mittag fanden sich wieder alle Pfälzer zusammen und konnten die Heimreise antreten. Um sieben kamen wir müde, aber zufrieden in Ludwigshafen an und freuten uns richtig über das gute Wetter in der Pfalz. ;)

Mein Fazit: Der Ökumenische Kirchentag ist auf alle Fälle weiter zu empfehlen.
Leider hatten wir bis auf den ersten Tag immer mit Regen zu kämpfen, was der Stimmung aber nur wenig Abbruch tat. Besonders beeindruckt hat mich die Vielfältigkeit des Programms, es war wirklich für jeden etwas dabei, und ich hatte oft das Gefühl, etwas verpasst zu haben, denn es gab rund 3000 Veranstaltungen. Nennenswert wäre auch die tolle Leistung der Helfer, denen der reibungslose Ablauf zu verdanken ist, und ich muss sagen, es war alles toll organisiert, vor allem An- und Abreise, denn die Menschenmassen waren wirklich gewaltig!

Karen E., MSS 11