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Innehalten
Lesung zum Volkstrauertag am 13. November 2011
vorgetragen von Louisa, Joel und Philipp
während der Totengedenkfeier auf dem Städtischen Friedhof Speyer
1. Leser:
Innehalten in der Hektik des Alltags.
Ruhe finden.
Zuhören.
Auch einmal an andere denken, nicht nur an sich selbst.
Verstehen lernen.
2. Leser:
An die Menschen denken, die im Krieg ihr Leben verloren:
Menschen aller Nationen.
An Menschen denken,
Flüchtlinge, Vertriebene, die auf ihrem Treck sterben mussten.
An Menschen denken,
Kriegsgefangene, die in Lagern unendliches Leid erfuhren.
An Menschen denken,
Opfer von Unrecht und Gewalt!
An Menschen denken,
die ihr Leben verloren, nicht aber ihren Glauben.
3. Leser:
Menschen mit anderer Überzeugung,
Menschen anderer Herkunft,
Menschen, die ihren Wunden erlagen, ihren Krankheiten.
Menschen, die umgebracht wurden.
Menschen:
Söhne und Väter, Ehemänner,
Ehefrauen und Kinder.
Brüder, Töchter,
Fremde, Freunde.
1. Leser:
Wir – die heutige Jugend – haben den Krieg nicht erlebt,
nicht die Entbehrung,
den Hass,
das Grauen,
nicht die Euphorie, die Begeisterung,
das blinde Vertrauen auf Ideen, die in die Irre führen;
nicht den Fanatismus,
nicht die Enttäuschungen und Zusammenbrüche,
nicht die Verluste,
nicht die Trauer,
nicht den Tod.
2. Leser:
Aber wissen wollen wir, was da geschah.
Und warum es geschah.
Begreifen müssen wir's.
Lernen – aus Fehlern!
3. Leser:
Lernen – damit wir mit mehr Menschlichkeit leben,
lernen, neues Unheil zu vermeiden.
1. Leser:
Krieg kann niemand wollen – darf niemand führen.
Frieden halten ist Menschenpflicht.
2. Leser:
Kein Platz bleibt dann
für stumpfen Sinn, für Gleichgültigkeit,
für Hass und Unduldsamkeit,
für Missachtung des Menschen in seiner Würde, seinen Rechten, seiner Freiheit. Kein Platz bleibt für Missachtung der Freundschaft.
3. Leser:
Freundschaft ist unsere Aufgabe:
mit den Lebenden – auch über Gräber;
Für die Zukunft – über Vergangenes.
1. Leser:
Deshalb sind sie wichtig, – die Gräber:
Es sind unsere Gräber.
Sie mahnen.
Sie klagen an.
Sie geben Ziel und Richtung, sind Wegweiser in eine bessere Zukunft.
2. Leser:
Sie helfen den Lebenden.
Deshalb pflegen, erhalten wir sie.
„Wenn die Menschen schweigen – schreien die Steine“,
so steht es in Stutthof.
Im KZ.
In Polen.
Steine haben ihre Sprache.
Wir müssen ihre Sprache verstehen, ihr Rufen hören.
3. Leser:
Wer hört, – kann verstehen.
Sie rufen allen Menschen auf dieser Erde zu:
– Völker, seid einig, Menschen, seid menschlich – nie wieder Krieg.
1. Leser:
Steine dürfen schweigend reden.
2. Leser:
Wir Menschen müssen handeln,
3. Leser:
Vergangenes Ungerechtigkeit nennen.
1. Leser:
Unrecht soll Unrecht heißen, nicht“ Unglück“,
2. Leser:
Überfall Überfall, nicht „Grenzüberschreitung“,
3. Leser:
Tod ist Tod – nicht „gelassenes Leben“.
1. Leser:
Wir schweigen in Ergriffenheit vor den Opfern,
aber wir reden – wegen dem, was geschah.
Um der Opfer willen. Um der Zukunft willen.
2. Leser:
Wir geben sie in unser Gedächtnis,
die Opfer,
die Zeitzeugen, die wir hören.
Wie geben es weiter, das Gehörte,
in unseren Reihen, an unsere Kinder.
3. Leser:
Noch ist Unrecht in der Welt, Krieg, Gewalt, Grausamkeit.
Im Großen wie im Kleinen.
Wir wollen die Augen nicht schließen, die Ohren, den Mund.
Wir wollen Mensch sein – und das heißt:
1. Leser:
Jeder für sich ein Mensch – mit Liebe zum Nächsten!
2. Leser:
Jeder für sich ein Mensch – mit Freiheit für sich und andere!
3. Leser:
Jeder für sich ein Mensch – mit Mut, für all das einzutreten, und mit dem Wunsch nach Freundschaft und Frieden!
Quelle: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.




