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„Damit es nie wieder passiert“
Schüler des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums berichtet über Stasi-Gefängnis
Anfang Juli trafen sich rund 40 engagierte Jugendliche aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu einem weiteren Seminar der CCN-Stiftung.
Das Seminar wurde am Samstag mit einer Führung durch ein ehemaliges Stasi-Gefängnis eröffnet. Dieser Themenpunkt stand unter dem Motto: „Damit es nie wieder passiert“. Danach war eine vertiefte Diskussion mit einem Zeitzeugen möglich, was vielen der Teilnehmer sehr nahe ging und die Allgemeinheit sehr beeindruckte.
„Damit es nie wieder passiert“
Mit diesem Titel begann der Ausflug in das ehemalige Gefängnis der Stasi. Ein Zeitzeuge, der selbst eine Zeit Gefangener wegen eines Fluchtversuchs in dem Hochsicherheitstrakt gewesen war, schilderte die Ereignisse, die sich auf dem geheimen Gelände zugetragen hatten. Da er selbst betroffen war, gestaltete sich die Führung emotionaler als vorhergesehen und berührte viele der Jugendlichen. Von außen sah das ehemalige Stasi-Gefängnis harmlos, schon fast unscheinbar aus. Das geheime Gelände war eher mit einer Fabrik zu vergleichen. Beim Betreten waren noch keine Anzeichen dafür zu erkennen, was sich einige Jahre zuvor hier abgespielt hatte – ein großer Hof mit anliegenden Gebäuden, deren Fenster mit Vorhängen verdeckt waren. Doch bald wandelte sich dieser Eindruck, als wir die Halle für die ankommenden Gefangen besichtigten. Ein nachgestellter Wagen zeigte, wie diese unauffällig in den Gebäudekomplex transportiert wurden. Der führende Zeitzeuge erläuterte die Situation, in der die Häftlinge eintrafen, und was die nächsten Schritte für sie waren. Doch dies war erst der Anfang des Grauens. Wir betraten nun eines der Hauptgebäude, in denen Büros zum Verhör der meist Unschuldigen angelegt waren. Der Flur war ausgestattet mit damals modernster Alarmtechnik und überall waren Kameras zu finden. Ampelartige Lampen befanden in jedem Stockwerk, um dafür zu sorgen, dass kein Gefangener einen anderen zu Gesicht bekam, leuchtete das Lämpchen grün, konnte ein Gefangener den Korridor betreten, leuchtete es rot, war der Gang nicht zugänglich. Durch die Schilderung des Zeitzeugen wurde die Besichtigung noch dramatischer. Er erläuterte Verhaltensregeln: „Tagsüber durften wir nur stehen, nachts nur mit verschränkten Armen auf dem Rücken liegen. Wir standen unter ständiger Beobachtung und hatten keine Möglichkeit gegen diese Regeln zu verstoßen. Wir wurden bis zu acht Stunden am Stück verhört, wobei oft nicht ein einziges Wort gesprochen wurde. Dabei ist zu bemerken, dass jedem Gefangenen jeweils drei Kommissare zugeteilt waren. Man hatte einmal in der Woche die Möglichkeit in einer Grube im Freien eine halbe Stunde im Kreis zu laufen.“ Viele waren sich sicher, dass dieser Teil der Höhepunkt der ganzen Führung wäre, doch darin hatten sie sich getäuscht. Die Gefangenen in der Haftanstalt standen unter ständiger psychologischer und körperlicher Folter; dies drückte sich nicht nur darin aus, dass man nur noch als Nummer galt, sondern auch, dass die Wärter jederzeit dazu befugt waren körperliche Gewalt zu anzuwenden. Dann kamen wir zu den Haftzellen, die allesamt sehr klein waren und aus denen man keinen Blick nach draußen werfen konnte. Viele wussten bis zum Ende der DDR nicht, wo ihr Gefängnis gelegen hatte. Es gab auch Haftzellen, die zur Bestrafung eingesetzt wurden und so groß wie ein Türrahmen waren, d.h. man konnte sich mit Mühe und Not in diese Zellen hineinstellen. Doch dann kam das, was viele der Teilnehmer zutiefst schockierte: Wir betraten das so genannte ´U-Boot´ – ein Gang, grau und gerade mal so breit wie in einem U-Boot, daher der Name. Hier befanden sich nicht nur die Massenhaftzellen, in denen bis zu zehn Personen auf 3x3 Metern Platz finden mussten, sondern auch die Gummizellen und Folterkammern. Hier wurde unter anderem die Wasserfolter angewandt, wobei nicht genau gesagt werden kann, ob diese Anlage wirklich verwendet wurde. Beim Betreten der Gummizelle lag eine Stimmung in der Luft, wie sie gespannter nicht hätte sein können. Hier wurden Gefangene für eine Zeit in einer Zwangsjacke festgehalten, wenn sie ausgerastet waren, was bei der schweren psychischen Belastung nicht verwunderlich war. Zum Abschluss dieses Horrortrips in die Vergangenheit war eine Diskussion mit dem Zeitzeugen möglich. Hierbei wurden offene Fragen geklärt und weitere Geschehnisse näher erläutert. Auch auf der Heimfahrt war immer noch die Gegenwart des schrecklichen Erlebnisses zu spüren… Ein Kommentar, der mir am besten in Erinnerung geblieben ist: „Ich habe einen meiner ehemaligen Kommissare beim Einkaufen getroffen und habe ihn gefragt, ob er nun einsehen würde, dass es falsch war, was er getan hat. Dabei erwartete ich nicht mal eine Entschuldigung sondern nur seine Einsicht. Doch er antwortete nur: ´Ich habe alles richtig getan und würde es heute noch einmal genauso tun´.“ Diese Uneinsichtigkeit schockierte mich zutiefst. Es war schrecklich durch diese Burg des Grauens zu gehen, wobei die Anwesenheit und die Kommentare des Zeitzeugen die gesamte Situation den Teilnehmern noch besser vermitteln konnte. Er selbst befindet sich bis heute in psychologischer Betreuung, da er die Erfahrungen der Vergangenheit bis heute nicht verkraften konnte.
Florian, Kl. 10




