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Sgraffito des Kunsterziehers Thomas Schubert im Treppenhaus unserer Schule

In diesem Sgraffito ist das geheimnisvolle Kräftespiel, das man Erziehung nennt, dargestellt. In dem zunächst abstrakt anmutenden Ornament geben die beherrschenden, in Richtung der Treppe raketenhaft emporschießenden Diagonallinien und Farbflächen das Grundgefühl einer ungeheuren Dynamik, die dazwischen spielenden und sie begleitend Kreisbögen den Eindruck eines bewegten Vorgangs. Bei näherem Zusehen erkennt man in dem um die äußerste Spitze gelegten Kreis eine Sonne, aus der eine Taube niederstößt. Die Sonne ist also ein Symbol für Gott selbst, der Ausgang und Ziel all dieser Bewegungen ist. Der aus der Sonne hervorgebrochene Lichtkegel – die in verschiedenen Farben leuchtende Welt – umschließt am Grunde eine halb sitzende, halb kniende Frau, deren linke Hand in die Sonne weist und deren Rechte einladend ausgestreckt ist. Mit gesenktem Haupt ist die Gestalt dem Licht zugewendet. Ein rückwärts über ihr stehende, unregelmäßiges Sterngebilde sendet ein zweites Kraftfeld aus, welches das größere der Sonne überschneidet. In diesen beiden Fenstern bewegen sich Vögel, die offenbar nach einem Ziel suchen. Die erste Gruppe strebt zielklar der Sonne zu. Eine zweite Gruppe stürzt nach kurzem Flug nieder, die Schwingen gebrochen – nein, nur erlahmt, denn schon kehrt ein Vogel zurück, um von der ausgestreckten Hand der Frau aufgenommen zu werden zu Rast und Aufstieg. Ein einzelner Vogel schwebt steil vor dem sonnenfernen Sternbild, angezogen und doch erschreckt von dem Dunkel, in das es ihn verlockt hat. Nein, dies ist nicht das gesuchte Ziel! Im entschlossenen Schwung wendet er sich, um in erneutem Beginn den rechten Weg einzuschlagen. Wir erkennen: Diese ziehenden Vögel sind junge Menschen, die ihrem Lebensziel zustreben.

Nach Sr. Petronia Dr. Steiner, Direktorin von 1953-1974